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Interview: Ein Mammut auf dem kleinen Kamel November 17, 2009

Posted by Wolfgang Tonninger in Business, Business_Intelligence, Dynamic_Systems, Interviews, User-Experience, Wertschöpfung.
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Der Besuch in Steyr, bei Mammut Österreich, war höchst informativ und unterhaltsam. Denn 150 Jahre Firmengeschichte klingen selten so lebendig wie aus dem Mund von Armin Duda, dem Geschäftsführer der Mammut Sports Group Austria. Hier ein Auszug aus dem Gespräch:

ReadyBlog: Herr Duda, gleich beim Hereinkommen stach mir das bekannte Mammut-Poster ins Auge, wo 20 Leute oder mehr auf einer unglaublich ausgesetzten Felsnadel posieren. Ist das echt, oder im Photoshop gebaut?

imageADuda: Das ist echt. So etwas machen wir auch deswegen nicht, weil wir für unsere Kerngruppe authentisch sein wollen. Und diese würde einen Schwindel sofort bemerken bzw. von irgend woher erfahren – (schmunzelt) in Bergsteigerkreisen, geht das sehr schnell. Übrigens: das Foto zeigt das kleine Kamel am Furkapass und die Leute am Foto sind alles Mitarbeiter von Mammut. Retouschiert wurden dabei nur die Seilsicherungen.*

ReadyBlog: Aber die Wahrnehmung ist doch so, dass sich gerade in den letzten 3-5 Jahren bei Mammut sehr viel getan hat – und aus einer Nischenmarke eine breite Marke wurde.

ADuda: Das ist schon richtig. Diese Verbreiterung kann sich jedoch nur leisten, wer im Kern bereit ist, die Marke zu pflegen und zusammenzuhalten. Es geht hier nicht nur um Wachstum, es geht darum, strategisch richtig zu wachsen. Das bedeutet auch, dass wir mitunter auch auf Umsätze verzichten und bei aggressiven Aktionen, die nur über den Preis gehen, nicht mitmachen, um die Marke zu schützen.

ReadyBlog: Das klingt ehrenhaft aber auch irgendwie nach Luxusproblemen. Andere würden sich solche wünschen …

ADuda: Markenentwicklung und -pflege gehören in Wahrheit zu den sehr essentiellen Dingen – genauso wie Überlegungen zur selektiven Distribution. Unsere idealen Partner sind naturgemäß keine Großkaufhäuser, sondern Bergsportspezialisten. Aber von denen gibt es in Österreich nur eine Handvoll ernst zu nehmender. Daneben gibt es mit Hervis und der SSG-Gruppe (Eybl und Sports Experts) zwei große Ketten und mit Sport2000 und Intersport zwei Genossenschaften. Wenn ich jetzt sage, die Diskonter Hervis und Sports Experts beliefere ich nicht, fehlen mir schon 50% vom Markt. Das Problem: wir haben in Österreich keinen ordentlichen Mittelbau …

ReadyBlog: Dieses Strukturproblem kennt man in Österreich ja auch aus anderen Bereichen. Die Frage ist, wie man ihm begegnet.

ADuda: Genau. Denn der Markt ist langsam gesättigt. Und es macht a la longue keinen Sinn, auf einen gesättigten Markt beinahe panisch mit der Preiskeule einzuschlagen. Vielmehr geht es um intelligente Strategien zur Marktentwicklung …

ReadyBlog: … und dafür brauchen Sie genauere Zahlen?

ADuda: Wenn das Wachstum nicht mehr 2-stellig ist und die Märkte enger werden, dann werden auch die Entscheidungen schwieriger – zumal bei so vielen Produktbereichen, wie sie Mammut hat – vom Seil zu den Schuhen, vom Schlafsack bis zur Unterwäsche. Da gibt es Dinge, die kann ich zwar mit dem Bauchgefühl andenken, aber nicht zu Ende. Da brauch ich einfach Zahlen, die mich in meiner Intuition bestätigen oder korrigieren.

ReadyBlog: Wie technik-affin sind Sie, Herr Duda?

ADuda: Ich habe einen gesunden Hausverstand und ich kann zuhören. Deshalb weiß ich, dass wir eine Größenordnung erreicht haben, wo wir mehr Verkaufssteuerung brauchen und strukturiertere Abläufe. Und ich weiß auch, dass wir unsere Ziele – nämlich den Umsatz mittelfristig zu verdoppeln – nicht dadurch erreichen, dass wir die Sales-Mannschaft verdoppeln, sondern nur, indem wir in eine IT-Plattform** investieren, die skalierbar ist und dynamische Abläufe unterstützt. Auf der anderen Seite darf in diesem Prozess der Mensch nicht zu kurz kommen. Für uns ist IT die Grundlage für eine menschliche Serviceleistung – das heißt, dass bestimmte Werte, die am Berg gelten, im Unternehmen weiterhin ganz vorne stehen.

ReadyBlog: Und die Zukunft – wie sieht Sie aus?

ADuda: Die Marke Mammut verbindet heute 6 und 60-Jährige. Dieser Spagat gelingt nur mit einem extrem starken Markenkern. Deshalb wird es in Zukunft darum gehen, die Marke auf der einen Seite immer breiter zu machen und sie auf der andern mit Technologie-Innovationen immer wieder und neu aufzuladen. Das ist die große Herausforderung, der wir uns stellen.

ReadyBlog: Danke für das Gespräch.

* Bilder zum Making-Off für die „Schuhkontrolle auf dem kleinen Kamel“ gibt’s hier!

** Die neue IT-Plattform wurde auf Basis Microsoft Business Essential Server 2008 realisiert. Die Referenz finden Sie in Kürze im Microsoft Referenzen-Web.

Das Gespräch führten Wolfgang Tonninger und Hans Berndl.

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