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Wie kommt das Neue in die Welt? Teil 1 November 15, 2011

Posted by Wolfgang Tonninger in Business, Innovation, Interviews, New World of Work, Trends, Wertschöpfung.
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Dass geniale Ideen nicht planbar sind, liegt auf der Hand. Dass man jedoch Arbeitsbedingungen schaffen kann, unter denen Geistesblitze zur Tagesordnung gehören, und – was mindestens gleich wichtig ist – eine Kultur, in der diese Geistesblitze auch wahrgenommen, gewürdigt und weitergesponnen werden – das sollte zu denken geben. Über die Rahmenbedingungen für Innovation sprachen wir mit den Gründern von theLivingCore Thomas Fundneider, Andreas Kulick und Markus Peschl.

ReadyBlog: Woran arbeiten sie und wofür steht theLivingCore?

TFundneider: Was uns in den Projekten reizt, ist, Innovation vom Kern her zu denken. Wie können Prozesse organisiert sein und wie kann man eine Kultur vorantreiben, dass Innovation kein Zufallsprodukt mehr ist, sondern ein permanenter Treiber.

MPeschl: Unsere Arbeit kreist um die Frage: „Wie kommt das Neue in die Welt?“ Dazu schauen wir uns an, wie die unterschiedlichen Wissensprozesse aussehen und welche Raumtypen sie verlangen. Entscheidend dabei ist, dass wir hier im Plural sprechen. Wir gehen nicht von einem statischen Wissensprozess aus, sondern von dynamisch sich inspirierenden Alternativen – auch, was die Lösungen betrifft.

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ReadyBlog: Sie arbeiten sozusagen an den Rahmenbedingungen für Innovation, die dann architektonisch, technologisch und kulturell ausformuliert werden. Trotzdem hat die Architektur dabei einen besonderen Stellenwert. Warum?

MPeschl: Exakt. Wir arbeiten an den organisationalen Rahmenbedingungen, um Innovation nachhaltig im Unternehmenskontext zu verankern. Und da sind diese „Enabling Spaces“ für uns ein Denkmodell, mit dem wir sehr gute Erfahrungen gemacht haben …

TFundneider: auch, weil Architektur durch ihre Konkretheit viel Aufmerksamkeit erzeugt. Sobald man einen Change Prozess als architektonischen Prozess oder Designprozess organisiert, können abstrakte Relationen dingfest gemacht werden. Mit anderen Worten: In dem Moment, wo etwas gebaut wird und man es anfassen kann, kann man sich vorstellen, was gut läuft und was nicht. Einer reinen Prozessdiskussion fehlt diese Möglichkeit. Sie liefert bedrucktes Papier, das erfahrungsgemäß irgendwann in irgendeiner Schublade verschwindet.

ReadyBlog: Sie nutzen also die Architektur dazu, um über die Kultur zu reden. Läuft man damit nicht Gefahr, in eine reine Wohlfühldiskussion abzudriften bzw. an welcher Stelle kommen die Regeln ins Spiel, die diese Wissens- und Innovationsprozesse brauchen, damit sie funktionieren?

MPeschl: Vielleicht gleich vorneweg: Wir machen keine Büroverschönerungen! Oft kommen Unternehmen zu uns, die ihr Office verändern wollen und wir enden in einem Change-Projekt. Ganz einfach weil wir ganzheitlich an die Sache herangehen und uns genau anschauen, was Innovation für ein Unternehmen bedeutet, ob es darin eine Kultur des Neuen gibt und wie Innovationsprozesse, wenn vorhanden, strukturiert sind.

Wir machen keine Büroverschönerungen! Wir begreifen Architektur als Mittel, Reflexionsprozesse über die eigene Kreativität anzustoßen.

Wir haben also immer beides im Auge: die architektonische Spielwiese und den organisationalen Rahmen – in Form von Regeln, Strukturen und einem selbstbestimmten Nachdenken darüber, welche Arbeit ich machen will, wie ich sie mir einteile und welchen Raum ich dafür auswähle. Das verlangt vom Einzelnen natürlich viel Aufmerksamkeit, Feinfühligkeit, Klarheit, Bewusstsein und Reflexion darüber, worin die eigene Leistung besteht. Hier geht es in erster Linie nicht ums Wohlfühlen, sondern darum, die Architektur als ein Mittel zu begreifen, die Reflexionsprozesse darüber anzustoßen.

ReadyBlog: Um das Spiel spielen zu können, müssen die Regeln klar sein. Es muss aber auch klar sein, dass wir eine ganz neue Arbeitsethik brauchen, die kein schlechtes Gewissen verursacht, wenn die Arbeit Spaß macht.

APeschl: Wir sprechen in diesem Zusammenhang von „enabling constraints“. Es geht nicht mehr wie im Industriezeitalter um ein fixes Raster, in das man die Leute presst, sondern um die Schaffung von Freiraum – nicht den völligen, richtungslosen, sondern um einen strukturierten Freiraum, in dem sich die Werte des Unternehmens widerspiegeln.

image11 AKulick: Der Ford des Innovationsmanagements war ja bezeichnender Weise der Erfinder der Glühbirne, die im Comic den Geistesblitz illustriert. Edison erfand in seiner Bastelstube das Labor als strukturierten Prozess, damit er die vielen Ideen, die er hatte, überhaupt abarbeiten konnte.

ReadyBlog: Stichwort Industriezeitalter: Was unterscheidet diese Innovations- und Wissensprozesse, die sie thematisieren, von anderen, klassischen Prozessen im Unternehmen?

AKulick (lacht): … dass letztere ernst genommen werden. Halten Sie sich vor Augen, was wir den kreativen Wissensarbeitern anbieten, außer einem Schreibtisch und einem Stuhl …

ReadyBlog: … und ein paar Anwendungen, die seine Kreativität fördern.

AKulick: … und ein paar Anwendungen, Sie haben Recht. Aber vergleichen Sie das, was Unternehmen tun, um Wissensprozesse zu optimieren, damit, wie klassische Produktionsbereiche – zum Beispiel in der Automobilindustrie – organisiert sind. Da gibt es ganze Kohorten von Spezialisten, die sich darüber Gedanken machen, wie Produktionsanlagen aufgebaut werden, und andere, die sich nur den Kopf darüber zerbrechen, wie man Verbesserungen im Bereich von hundertstel Kommastellen erzielt.

ReadyBlog: Das hat vielleicht auch damit zu tun, dass man diese Maßnahmen besser quantifizieren kann und es im Fall der Wissensprozesse doch mehr um Qualitäten, weiche Faktoren geht.

AKulick: Jein. Es geht darum, der Innovation ihre Zufälligkeit zu nehmen und aus dem Innovationsprozess einen strukturierten Prozess zu machen. Da spielen Qualitäten natürlich eine wichtige Rolle, aber am Ende des Tages müssen diese Qualitäten auch quantifizierbar sein. Und es kommt noch etwas hinzu: Während man im Produktionsbereich nur lineare Verbesserungen erzielen kann, kann man im Innovationsbereich exponentielle Sprünge machen.

Es geht darum, aus dem Innovationsprozess einen strukturierten Prozess zu machen.

MPeschl: Da gibt es auch noch eine andere Frage, die heute immer wichtiger wird: Welche Talente ist mein Unternehmen imstande anzuziehen bzw. für welche Menschen ist mein Unternehmen überhaupt interessant? Wenn Arbeitsräume, Arbeitszeiten und Arbeitskulturen nicht inspirierend sind, werden die hellen Köpfe solche kreativitätsfeindlichen Umgebungen meiden.

AKulick: Ich kann Ihnen viele Beispiele nennen, die zeigen, dass die guten Leute heute nicht mehr von ihrem Arbeitgeber abhängig sind. Sie suchen sich den Arbeitgeber, der ihre Themen am besten unterstützt.

Readyblog: Dazu kommt, dass die Workforce heute mit den Social Media Technologien Instrumente an der Hand hat, die diese Vernetzung und die Freiheit, die dadurch entsteht, weiter vorantreiben. Ich denke, es ist kein Zufall, dass ein soziales Rauschen, wie Josh Bernoff es nennt, die neue Welt der Arbeit von Anfang an begleitet.

AKulick: Was hier stattfindet, ist ein Prozess der Entgrenzung, ein Paradigmenwechsel, bei dem hierarchische Strukturen von flachen abgelöst werden …

Readyblog: … und die Peers sich gegenüber dem Zentrum emanzipieren. Damit stehen sich auch Wettbewerb und Kooperation nicht mehr diametral gegenüber.


Und hier gehts zu Teil 2 des Gesprächs

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Comments»

1. Würth Österreich sondiert das Neue Arbeiten « New World of Work - November 15, 2011

[...] Wie kommt das Neue in die Welt- Teil 1 Gefällt mir:LikeSei der Erste, dem dieser post gefällt. [...]

2. Wie kommt das Neue in die Welt? Teil 2 « Business Ready Blog - November 17, 2011

[...] ist die Fortsetzung des Gesprächs (hier gehts zum ersten Teil 1), das wir letzte Woche mit den Gründern von theLivingCore – Thomas Fundneider, Andreas Kulick und [...]

3. Wie kommt das Neue in die Welt – über Kreativprozesse, Wissensarbeiter und Räume » INKNOWAKTION - November 25, 2011

[...] Inspiration für diesen Artikel: Interview von Thomas Fundneider, Markus Peschl und Andreas Kulick im Business Ready Blog: http://businessreadyblog.wordpress.com/2011/11/15/wie-kommt-das-neue-in-die-welt-teil-1/ [...]


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