jump to navigation

Big Data – wer weiß, wie es geht? November 5, 2013

Posted by Wolfgang Tonninger in Business, Business_Intelligence, Dynamic_Systems, Interviews, Wertschöpfung.
trackback

„Die Informationsgesellschaft hat in dem Moment begonnen, in dem klar war, dass zu viel Information da ist. Eine der neuen Grundbedingungen der digitalen Welt heißt Big Data“, schreibt Peter Glaser in seinem Zukunftsreich-Blog auf der Futurzone. Und ebenfalls in einem Futurzone-Blog findet sich ein Zitat von DJ Patil, einem kalifornischen Datenwissenschaftler der Investment-Firma Greylock Partners: “Big Data ist wie Sex bei Teenagern – alle reden darüber, aber keiner weiß, wie es geht.”

Wir sprachen mit Georg Droschl, Big Data-Spezialist bei Microsoft Österreich, über den Status quo: Wo steht Big Data und wo will es hin?

 

Droschl_2BusinessReadyblog: Herr Droschl, wir haben letztes Jahr an der einen oder anderen Stelle bereits über Big Data geschrieben und auf die enormen Potenziale dieser Entwicklung aufmerksam gemacht, wenn es darum geht Wendigkeit, Kundennähe und Wertschöpfung in Unternehmen auf eine neue Stufe zu heben. Was hat sich seitdem getan? Die IT-Magazine sind voll davon und trotzdem hat man den Eindruck, dass das Thema nicht so richtig vom Fleck kommt.

Georg Droschl: Durch Big Data eröffnen sich zahlreiche neue Möglichkeiten, die nicht so einfach zu fassen sind. So werden neue Aufgabenbereiche wie die Rolle des Data Scientist entstehen. Unternehmensbereiche wie Marketing oder Kundendienst werden bald anders aussehen. Ganz zu schweigen von Anwendungen rund um das „Internet der Dinge“, die den Menschen bei seinen Tätigkeiten so unterstützen werden, dass er es gar nicht merkt. In der Praxis schaut es so aus, dass wir heute zum einen Vorreiter haben, die erste Erfolge mit Big Data verzeichnen und andere, die noch in der Orientierungsphase sind und sich überlegen, was Big Data für sie bedeuten könnte?

BusinessReadyblog: Ein konkretes Beispiel?

Georg Droschl: Das Monitoring von Social Media ist einer der bekannten Anwendungsfälle. Ich suche mir zB für Twitter eine Reihe von Hashtags aus und bekomme in Echtzeit Rückmeldung auf meine Kampagne und was das Internet bewegt.

BusinessReadyblog: Ok, aber da gibt es auch jene, die meinen, dass das alles alter Wein in neuen Schläuchen ist. Wo ist die Grenze zu Business Intelligence zu ziehen?

Georg Droschl: Der Übergang zwischen Business Intelligence und Big Data ist sicher fließend. Durch neue technische Möglichkeiten sind neue Anwendungsfälle umsetzbar. Entscheidender aber ist, dass der Zugang zu diesen neuen Möglichkeiten einfacher wird. So kann jedermann in natürlicher Sprache Fragen stellen und der entsprechende Bericht wird vollautomatisch erstellt.

BusinessReadyblog: Reden wir jetzt über BI oder übr Big Data? Wo ziehen wir die Grenze?

Georg Droschl: Was wir bei beiden haben ist eine Demokratisierung des Zugangs. Was früher Experten vorbehalten war, ist jetzt für viele möglich. Einfach aus dem Grund, weil der User nur mehr für die Fragen zuständig ist und die Reports und Analysen vom System gebaut werden. Hilfreich für eine Unterscheidung sind die 3 Vs von Big Data: Velocity, Variety und Volume. Es geht also nicht nur um große Datenmengen (Stichwort: Volume), es geht auch darum, dass wir diese heute in Echtzeit verarbeiten können (Stichwort: Velocity). Und – was oft übersehen wird, wenn man von Big Data spricht – es geht um eine neue Datenvielfalt, die durch Big Data möglich wird (Stichwort: Variety). Das heißt, dass wir heute alle möglichen Daten – egal, ob strukturiert oder unstrukturiert, egal, ob innerhalb oder außerhalb der Unternehmens-Firewall – für unsere Datenanalysen heranziehen können. Wenn diese 3 Vs zusammenkommen, sprechen wir von Big Data.

BusinessReadyblog: Warum wurden bislang oft nur konventionelle Datenquellen angezapft, also quasi Daten hinter meiner Firewall?

Georg Droschl: Weil der Zugriff auf Marktdaten und Unternehmensdaten ein grundsätzlich anderer war. Heute stehen genau diese Werkzeuge zur Verfügung, um eine vollständige Sicht auf unterschiedlichste Daten zu haben. Ich denke, dass wir gerade bei der Auswertung von unstrukturierten Daten in Zukunft sehr interessante Anwendungsfälle kennenlernen werden.

BusinessReadyblog: Stichwort Zugänglichkeit von Daten und Datenschutz. Hat das Thema Big Data durch die NSA-Geschichte Gegenwind? Und was hat Big Data mit OpenData zu tun?

Georg Droschl: Ich hoffe nicht, dass Big Data und die kolportierten Aktivitäten der NSA gleichgesetzt werden. Die Rahmenbedingungen in Punkto Datenschutz sind unbedingt einzuhalten, das gilt natürlich auch für Anwender von Big Data. Big Data Initiativen sollen alle Datenquellen berücksichtigen, die einen hohen Mehrwert für das Unternehmen haben. Eine mögliche Klassifizierung ist (1) Dark Data – Daten im Unternehmen, die derzeit ungenutzt sind, das könnten eMails oder Daten in Content Management Systemen sein; (2) New Data – Daten die bisher nicht gespeichert sind, etwa dass neben der aktuellen Kundenadresse auch alle früheren gespeichert werden, um das Kundenverhalten besser zu verstehen; eben (3) Open Data – mit Datenquellen wie Bevölkerungsentwicklung und andere demographische Daten, oder Wetterdaten; und (4) External Data – Daten die von anderen Unternehmen aggregiert bereitgestellt werden.

BusinessReadyblog: Ein weiterer Hype oder Megatrend in diesem Zusammenhang ist Cloud Computing. Wie sieht die Verbindung von Big Data und der Cloud aus?

Georg Droschl: Ich finde die Kombination von Big Data und Cloud Computing spannend, um rasch und kostengünstig zu beliebig großen IT-Ressourcen zu kommen. Zuerst muss ich mir aber mal überlegen, welche Vorteile die Konzepte mit sich bringen: Mit Cloud Computing beziehe ich Dienste für Dinge, um die ich mich sonst hätte selbst kümmern müssen. Wenn ich beispielsweise auf „Database-as-a-Service“ setze, dann erhalte ich eine fertige Datenbank und brauche mich nicht mehr um die darunterliegende Hardware, die Installation der Datenbanksoftware, etc. kümmern. Auf der anderen Seite bietet Windows Azure Zugang zu Infrastrukturen, die sonst Google vorbehalten waren. Denn mit dem HDInsight Service steht für jedermann eine Hadoop-Umgebung bereit, um mit Hilfe des MapReduce-Prinzips auch extrem große Datenmengen zu analysieren.

BusinessReadyblog: Es gibt die Aussage, Austria ist „too small for Big Data“. Wie siehst du das?

Georg Droschl: Eine polarisierende Aussage, die aufgrund des oben Gesagten eigentlich schon entkräftet ist. Weil die eindimensionale Gleichsetzung von Big Data und großen Datenmengen eben zu kurz greift und dabei 2 entscheidende V-Fragen auf der Strecke bleiben. Wie schnell kann ich auf Gegebenheiten wie das Wetter reagieren? Und wie kann ich die Vielfalt der prinzipiell verfügbaren Information in Abläufe wie Planung oder Kundenansprache integrieren? Wenn wir die Unternehmensfirewalls verlassen, ist Österreich groß genug. Das garantiere ich dir!

BusinessReadyblog: Microsoft hat vor kurzem sein neues Cloud OS vorstellt. Kannst du die Idee kurz auf den Punkt bringen?

Georg Droschl: Am Anfang der Initiative Cloud OS stehen die großen IT-Trends – wie immer mehr Devices, mehr Cloud Dienste und eben Big Data. Daran orientiert sich die Microsoft Produktstrategie. Die Verbindung zwischen den Trends und den einzelnen Produkten erfolgt durch Lösungsthemen – wir nennen Sie hier „Conversations“ – wie die personenbezogene IT, das moderne Rechenzentrum, moderne Business Applikationen und Big Data.

BusinessReadyblog: Wo können Interessierte mehr zu den Themen Big Data und Cloud erfahren?

Georg Droschl: Am 25.11. in Wien. Wir zeigen dort die neuesten technischen Möglichkeiten und vielfältige Anwendungsfälle von Cloud OS und Big Data.  Anmelden kann man sich unter www.microsoft.at/bigdata

Danke für das Gespräch.

Comments»

No comments yet — be the first.

Leave a Reply

Fill in your details below or click an icon to log in:

WordPress.com Logo

You are commenting using your WordPress.com account. Log Out / Change )

Twitter picture

You are commenting using your Twitter account. Log Out / Change )

Facebook photo

You are commenting using your Facebook account. Log Out / Change )

Google+ photo

You are commenting using your Google+ account. Log Out / Change )

Connecting to %s

Follow

Get every new post delivered to your Inbox.

Join 451 other followers

%d bloggers like this: