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Wo sich die Geister scheiden: Kreativlohn versus Stundenlohn June 9, 2010

Posted by Wolfgang Tonninger in Business, New World of Work, Trends, User-Experience.
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Weil Transparenz heutzutage oberstes Gebot ist, kommt kaum ein Dienstleistungsunternehmen umhin, bei KVs oder Rechnungen penibel einen zeitlichen Index in Form von Manntagen oder Stundenlöhnen mitzuführen. Was auf den ersten Blick naheliegend scheint und gerne als Geste der Offenheit interpretiert wird, erweist sich bei näherem Hinsehen als ideologisches Relikt, das sich nur deswegen so hartnäckig hält, weil es offene Fragen der Leistungsbeurteilung elegant umschifft. Denn wer Kreativität in Stunden oder Ideen in Wörtern messen will, beweist damit nur seine eigene Krämermentalität, die beim Begleichen einer Rechnung weniger am Ergebnis und den daraus erzielbaren Mehrwert für das Unternehmen interessiert ist als an der Arbeit, die dafür aufgewendet wurde.

Das ist insofern bemerkenswert, als parallel dazu Arbeit als zeitlich räumliches Konzept heute an Bedeutung verliert, wie ein aktuelles Whitepaper von Microsoft nahelegt. Wir gehen nicht mehr in die Arbeit wie in ein Gebäude, sondern erbringen eine Leistung, die immer weniger an fixe Orte und Zeiten gebunden ist. Arbeit nach Zeit zu messen ist der zum obersten Prinzip erhobene Selbstausbeutungsgrundsatz einer ganzen Workoholic-Generation, der ein Tag nicht genug Stunden haben kann, um ihn mit bewusstloser Geschäftigkeit auszufüllen.

Doch das Büro der Zukunft ist kein Selbstläufer, genauso wenig wie die neue Welt des Arbeitens. Man muss sie sich trauen. Als Angestellter genauso wie als Manager oder als Entrepreneur. Sie verlangt nicht nur ein gehöriges Maß an Eigenverantwortung, sondern auch eine gesunde Selbsteinschätzung und Vertrauen auf beiden Seiten.

Seth Godin erzählt dazu eine wunderbare Geschichte in seinem aktuellen Blogpost über den essentiellen Unterschied zwischen Stundenlohn und Kreativlohn. Es wäre schön, wenn sie wahr wäre:

I had a college professor who did engineering consulting. A brand new office tower in Boston had a serious problem – there was a brown stain coming through the drywall, (all of that drywall) no matter how much stain killer they used. In a forty story building, if you have to rip out all the drywall, this is a multi-million dollar disaster. They had exhausted all possibilities and were a day away from tearing out everything and taking a loss. They hired Henry in a last-ditch effort to solve the problem. He looked at the walls and said, “I think I can work out a solution, but it will cost you $45.000 if I succeed.” They instantly signed on, because if he succeeded, the project would be saved.

Henry asked for a pencil writer and wrote the name of a common hardware store chemical and handed it to them. “Here, this will work.” And then he billed them $45.000. That’s quite an hourly wage. It’s also quite a bargain.

Das Whitepaper von Microsoft zu diesem Thema gibt es in Kürze auf der neuen “Business of IT”-Plattform von Microsoft zum Download. Und mich messen Sie in Zukunft am besten ebenfalls an meinen Resultaten und nicht an meiner Bereitschaft zur bewusstlosen Selbstausbeutung. Ich danke Ihnen.

Comments»

1. Rainer Stropek - June 10, 2010

Der Haken ist, dass sich Ersparnis oder Nutzen selten so klar messen lassen. Noch schwieriger wird es, wenn ein Team an etwas arbeitet. Wer hat wieviel zum Projekterfolg beigetragen? Wie verteilt man die Bonifikation, wenn nicht anhand der eingesetzten Zeit? Ich glaub hier ganz stark an die Marktwirtschaft in und zwischen Unternehmen. Wenn man Personen/Teams anhand der angebotenen Kosten unabhängig vom zugrundeliegenden Stundensatz vergleicht, haben die mehr davon, die ihre Zeit effektiver nutzen können. Leider wird in der Praxis (besonders bei Ausschreibungen) immer noch primär der Stundensatz und nicht das Ergebnis angesehen, das unter dem Strich stehen wird. Lösen kann dieses Dilemma aus meiner Sicht nur eines: Vertrauen zwischen Kunden und Lieferanten (http://www.speedoftrust.com hat mich diesbezüglich geprägt).

2. Wolfgang Tonninger - June 10, 2010

Bin ganz deiner Meinung – wollte einfach mal zur Sprache bringen, dass die neue Welt des Arbeitens nicht nur unser Verhältnis zu Arbeitszeit und Arbeitsort verändert, sondern auch, wie Projekte bewertet und Projekterfolge gemessen werden. Das sind meines Erachtens zwei Seiten ein und derselben Medaille.

Auf der anderen Seite wollte ich festhalten, dass eine gute “Idee” sehr plötzlich einschießt eben nur sehr wenig Arbeitszeit in Anspruch nimmt – natürlich gibt es rund um sie die 80% Transpiration – aber Inspiration kann man schwer aufwiegen – daran haben die “Kreativen” ordentlich zu knabbern …😉

3. Rainer Stropek - June 10, 2010

Stimmt. Ein Geistesblitz ist manchmal Gold wert.


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