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Wie kommt das Neue in die Welt? Teil 2 November 17, 2011

Posted by Wolfgang Tonninger in Business, Innovation, Interviews, New World of Work, Trends, Wertschöpfung.
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Dies ist die Fortsetzung des Gesprächs (hier gehts zum ersten Teil 1), das wir letzte Woche mit den Gründern von theLivingCore Thomas Fundneider, Andreas Kulick und Markus Peschl (auch die Fotos der Personen gibt es im ersten Teil) – über die Rahmenbedingungen von Innovation und das Besonderes an Wissensprozessen und den sie fördernden neuen Arbeitskulturen führten.

Die Fragen aus Teil 1: Wofür steht TheLivingCore? Was sind “Enabling Spaces”? Welche Aufgabe hat die Architektur? Wie unterschieden sich Wissensprozesse von Industrieprozessen? Welche Rolle spielt die neue Welt der Arbeit im Kampf um die besten Arbeitskräfte?

AKulick: Ich kann Ihnen viele Beispiele nennen, die zeigen, dass die guten Leute heute nicht mehr von ihrem Arbeitgeber abhängig sind. Sie suchen sich den Arbeitgeber, der ihre Themen am besten unterstützt.

Readyblog: Dazu kommt, dass die Workforce heute mit den Social Media Technologien Instrumente an der Hand hat, die diese Vernetzung und die Freiheit, die dadurch entsteht, weiter vorantreiben. Ich denke, es ist kein Zufall, dass ein soziales Rauschen, wie Josh Bernoff es nennt, die neue Welt der Arbeit von Anfang an begleitet.

AKulick: Was hier stattfindet, ist ein Prozess der Entgrenzung, ein Paradigmenwechsel, bei dem hierarchische Strukturen von flachen abgelöst werden …

Readyblog: … und die Peers sich gegenüber dem Zentrum emanzipieren. Damit stehen sich auch Wettbewerb und Kooperation nicht mehr diametral gegenüber.

MPeschl: Dieses Rauschen, wie Sie es nennen, ist mitverantwortlich dafür, dass sich das ganze Setting, wie miteinander im Unternehmen aber auch zwischen Unternehmen umgegangen wird, ändert. In unserer Arbeit sehen wir, wie das Dialogische, das Kooperative eine immer stärkere Rolle spielt. Und weil das Ganze noch in den Kinderschuhen steckt und viele Dimensionen hat, braucht es einen Ansatz, der Forschung und Beratung zusammenbringt. Was wir versuchen, ist eine Komplexitätsreduktion, die ohne Trivialisierung auskommt.

Die guten Leute suchen sich heute den Arbeitgeber, der ihre Themen am besten unterstützt.

ReadyBlog: Wie schaffen sie es dabei, die Hüte, die sie sich je nach Prozessphase aufsetzen, nicht durcheinander zu bringen? Sie können ja nicht alles machen.

TFundneider: Wir wollen auch nicht alles machen. Wir sind die Konzeptionisten, die aus der Forschung Qualitäten ableiten und den Professionisten (Architekten, Designer, Technologen, etc.) so vermitteln, dass sich am Ende die einzelnen Teile wieder zu einem Ganzen zusammenfügen. Was wir gestalten, ist ein theoriegeleiteter Designprozess. Dabei arbeiten wir mit Qualitäten, die einen Rahmen aufspannen, aber nicht einschränken. Kurz: Wir beschreiben, wie sich ein Raum anfühlen soll, aber nicht, welche Farbe ein Tisch haben wird.

AKulick: Wir arbeiten so ähnlich wie CDs (Creative Directors, Anm. Business Ready Blog) in der Agenturszene. Ihre Aufgabe ist es, zunächst einmal die Anliegen des Kunden zu verstehen und daraus eine Gesamtidee zu entwickeln; das heißt, die wesentlichen Dimensionen und Qualitäten der Lösung zu bestimmen. Dann gehen sie daran, gemeinsam mit den Spezialisten diese Ideen auszudeuten; wobei sie diesen genügend Raum lassen müssen, damit sie ihre eigenen Interpretationen, ihre eigene Kreativität einbringen können. In den einzelnen Realisierungsphasen sind die CDs diejenigen, die die Entwürfe mit dem Gesamtbild zusammendenken und an ihm messen. Um das zu können, muss man kein Spezialist sein. Wir sind, wenn sie so wollen, die Spezialisten für den Prozess.

Wir beschreiben, wie sich ein Raum anfühlen soll, aber nicht, welche Farbe ein Tisch haben wird.

ReadyBlog: Was treibt diesen Prozess voran und welche Rolle spielt dabei die Informationstechnologie?

AKulick: Die Frage, wie IT diese Prozesse unterstützen und wie sie integriert werden kann, ist natürlich eine ganz zentrale. Genauso wie die Frage, wo man sie fernhalten will. Sie kennen die Besprechungen, wo sich jeder hinter seinem Notebook versteckt?

Das Ganze ist ein extrem kollaborativer Prozess – nicht nur zwischen uns und dem Kunden, sondern auch zwischen dem Management und den Mitarbeitern. Die andere Seite muss mitspielen, den Prozess verstehen und bereit sein, in diesen einzutreten. Die Art, wie wir eine Lösung implementieren, unterscheidet uns ganz wesentlich von der klassischen Strategieberatung. Unsere Lösung wird nicht übergestülpt. Sie muss im Unternehmen gelebt und weiterentwickelt werden.

ReadyBlog: Wie kann man diese Dynamik in der Praxis sicherstellen?

MPeschl: Man muss bereit sein, Dinge, die nicht funktionieren, zu adaptieren und gegebenenfalls auch auszutauschen. Hier läuft einiges nach dem Prinzip „Trial & Error“. Das muss einem bewusst sein – auch bei der Einteilung des Budgets sollte man von Anfang an etwas für Nachbesserungen zurückbehalten …

Unsere Lösung wird nicht übergestülpt. Sie muss im Unternehmen gelebt und weiterentwickelt werden.

AKulick: … zumal es in diesem Zusammenhang kontraproduktiv sein kann, die Menschen mit einem Endergebnis zu konfrontieren. Um Entwicklungsmöglichkeiten offen zu halten, tut diesen Lösungen ein gewisses Maß an Unfertigkeit durchaus gut.

TFundneider: Auch weil sich die Qualität solcher Realisierungen oft erst im Detail zeigt. „Kaffeküche“ klingt super, aber das heißt nicht, dass sie in jedem Rahmen funktioniert. Nehmen Sie als Beispiel Cisco. Die wollten diesen offenen Bereich haben, wo kommuniziert werden kann und erzielten anfangs damit den gegenteiligen Effekt: Die Leute machten nach kurzer Zeit einen großen Bogen um diesen Bereich, weil sie dort immer okkupiert und belagert wurden. Cisco hat mit ein oder zwei Zusatzregeln klargemacht, wie man angesprochen werden kann, aber auch wie man kommunizieren kann, wenn man das nicht will. Und dann funktionierte es.

MPeschl: Deshalb ist auch die Unterscheidung zwischen kollaborativen und kontemplativen Bereichen für uns zu grob. Weil es auf beiden Seiten sehr viele unterschiedliche Ausprägungen gibt, die sich gegenseitig beeinflussen. Ein Meeting ist nicht gleich ein Meeting. Es gibt solche, in denen Entscheidungen getroffen werden, es gibt Brainstormings, es gibt Briefings, es gibt Arbeitsmeetings etc. Genauso wenig muss kontemplativ immer individuell heißen. Man kann ja auch gemeinsam nachdenken. Um hier Klarheit aber auch die nötige Differenzierung zu schaffen, muss man die Vorgänge funktional betrachten.

ReadyBlog: Wie weit sind die Kunden für diese Art der Herangehensweise bereit bzw. wie stellen sie sicher, dass diese nicht auf halber Strecke verloren gehen?

TFundneider: Wir arbeiten natürlich immer zweigleisig: konkret im Projekt und parallel auch an der Qualifizierung des Kunden – um das Bewusstsein, das für das Gelingen des Projekts erforderlich ist, herauszubilden. Dafür ist es entscheidend, dass der Kunde bereit ist, sich auf den Prozess einzulassen. Er muss verstehen, dass er von uns keine Out-of-the-Box-Lösung bekommt. Und wir müssen bereit sein, zuzuhören und hinzuschauen, und nicht irgendeine vorgefertigte Lösung über den Kunden stülpen.

AKulick: Wir müssen die Menschen dort abholen, wo sie sind. Das ist die Voraussetzung dafür, dass der Abstand der Lösungen zur Unternehmensrealität nicht zu groß ist. Nur wenn wir die bestehende Wertestruktur ernst nehmen, können wir angeben, wie ein Prozess aussehen kann, der die nächste Ebene befördert. Denn eines ist klar: Wir können im Normalfall nicht drei Stufen auf einmal nehmen. Anders gesagt: Die Ziele dürfen ruhig anspruchsvoll sein, aber sie müssen auch erreichbar sein.

Danke für das Gespräch.

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