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Interview: Europäische Strategien zum digitalen Markt, Teil 1 February 27, 2012

Posted by Wolfgang Tonninger in Business, Innovation, Interviews, Microsoft, Trends.
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Wir sprachen mit Andreas Ebert, ehemaliger GF von Microsoft Österreich und nun Regional Technology Officer für Microsoft EMEA.

Readyblog: Herr Ebert, wo steht Europa und was ist heute ihre Aufgabe als Microsoft RTO?

AEbert: Europa steht zweifellos im Umbruch – kulturell, ökonomisch und technologisch. Meine Aufgabe ist es, den Markt für neue Produkte aufzubereiten und Barrieren, die den Austausch von digitalen Lösungen und Services behindern, abzubauen. Da geht es viel um Dinge wie Datenschutz, Privacy, Interoperabilität oder Standardisierung.

Readyblog: Können Sie da noch etwas konkreter werden?

imageAEbert: Das Konzept Europa basiert praktisch auf 4 Säulen: 1) dem freien Warenverkehr, 2) dem freien Personenverkehr (Schengen), 3) dem freien Geldverehr und 4) einem gemeinsamen Servicemarkt für grenzüberschreitende Dienstleistungen. Nun gibt es seit Mai 2010 eine Willenserklärung der EU-Mitgliedstaaten, eine fünften Säule zu errichten: 5) einen gemeinsamen und transparenten digitalen Markt. Dazu braucht es natürlich rechtliche Rahmenbedingungen, die regeln, welche Gesetze zur Anwendung kommen, wenn Sie z.B. einen Kunden in Finnland haben, welche Mehrwertsteuer wo abgeliefert wird, etc. Noch gibt es 27 Märkte im digitalen Bereich, die zum Teil sehr unterschiedlich funktionieren. Deshalb geht es zunächst einmal darum, den nationalen Unternehmen die Bestimmungen, Verpflichtungen und Möglichkeiten in diesen Submärkten möglichst transparent zu kommunizieren. Gleichzeitig wurden im Rahmen der Digital Agenda 101 „Implementing Measures“ definiert, anhand derer wir uns ganz konkret anschauen, was z.B. bei den nationalen Vergabe-Richtlinien im Widerspruch steht zu einem gemeinsamen europäischen Markt. (Mehr dazu unter www.microsoft.eu, Anm. ReadyBlog)

Readyblog: Stichwort Transparenz und Open Data: Wo stehen wir in dieser Entwicklung?

AEbert: Das Thema Open Data wird zurzeit in Europa sehr breit diskutiert und über unterschiedlichste Gremien und Initiativen aufbereitet – auch aufgrund der bestehenden Entwicklungen rund um Social Media und Enterprise 2.0. Wichtig ist dabei, dass man nicht nur nationale Agenden im Auge hat, sondern das Ganze in einem breiteren, historischen Kontext sieht und auch einordnen kann.

Readyblog: Ich kann mir vorstellen, dass der völlig neue Umgang mit Daten, der da im Hintergrund passiert, auch zu einer neuen Bewertung von Information führen muss …

AEbert: Ganz genau. Die Transformation, von der ich Eingangs sprach, lässt sich auch im Spannungsfeld von Knowledge Society (Wissensgesellschaft, Anm. ReadyBlog) und Knowledge Economy (Wissensökonomie, Anm. ReadyBlog) beschreiben. Diese Unterscheidung ist extrem wichtig, wenn wir in Richtung Open Source Software diskutieren.

In einer Knowledge Society spricht man zwar von Wissen und die Teilung von Wissen aber das Wissen selbst hat keinen wirtschaftlichen Wert. In einer Knowledge Economy verbindet man mit Wissen das Konzept eines Wertes und damit sind dann auch zwangsläufig Eigentumsrechte verbunden, wie sie in der Diskussion über „Intellectual Property“ geführt werden. Da macht es schon Sinn, einmal etwas zurückzugehen und zu schauen, wie vor 200 Jahren diese Standards in Bezug auf Eigentumsverhältnisse und Transaktionen gesetzt wurden. Solche Standards und Rahmenbedingungen brauchen wir nun, damit auch nicht-materielle Güter wie eben Wissen transaktionsfähig werden.

Readyblog: Auf der anderen Seite wird betont, dass in Bezug auf Wissen andere Gesetzmäßigkeiten gelten, weil es – metaphorisch gesprochen – „mehr wird, wenn man es teilt“. Ist diese Metaphorik in Ihrem Zusammenhang hilfreich oder behindert sie?

AEbert (schmunzelt): Ich will versuchen, metaphorisch zu antworten: Jede Gesellschaft wird im Spannungsfeld „Open Society versus Open Economy“ eine Position finden müssen, wo der Regler steht. Auf der einen Seite haben wir den Open Source Ansatz und freie Software, auf der anderen Seite die Bestrebungen jedes einzelne Stück Wissen zu schützen. Auf der einen Seite ist Wissen frei verfügbar auf der anderen Seite hat Wissen einen transaktionalen Wert. Dieser Regler wird in Europa gerade gesucht und deshalb gibt es dazu so viele Positionen, die schwer in Einklang zu bringen sind.

Readyblog: Dazu gibt es ja auch die These von Wired Herausgeber Chris Anderson, dass es heute in erster Linie darum geht, intelligente Umwege zu finden, um mit frei verfügbarer Information Geld zu machen.

AEbert: Wie man mit freiem Content Geld machen kann, ist in der Tat in den letzten Jahren viel diskutiert worden. Interessant dabei ist, wie verschieden die Zugänge im Vergleich Europa versus Amerika sind. Nehmen Sie den universitären Bereich: Während fast alle Open Source Projekte von Universitäten in Europa GPL-basierend (General Public License) sind, weil diese hierzulande vom Staat finanziert werden, beruhen in Amerika, wo Universitäten zu 80% von der Industrie gesponsert sind, fast alle Open Source Projekte auf BSD-Lizenzen (Berkely Software Distribution) oder Mozilla-Lizenzen (MPL) basieren, die man ökonomisch verwenden kann, weil diese Lizenzen kein Copyleft enthalten. Dieser Unterschied ist für die unheimliche Asymmetrie verantwortlich, dass zurzeit die europäische Forschung an fast 80% der Open Source Projekte weltweit beteiligt ist, jedoch 90% der wirtschaftlichen Wertschöpfung außerhalb von Europa passiert.

Readyblog: Diese Situation wird noch bedenklicher, wenn man sich vor Augen hält, dass der große Wettbewerb ja gar nicht mehr zwischen Europa und Amerika passiert.

AEbert: Richtig. Die geopolitischen Veränderungen bringen mit sich, dass die Wertschöpfungsprozesse, die zwischen Europa und Amerika traditionell sehr stark waren, immer mehr in Richtung Asien wandern, und sich die Frage stellt, wo in 5 oder 10 Jahren die Business-Opportunities für europäische Unternehmen liegen. Hier gilt es langfristige Visionen zu entwickeln und zu etablieren.

Readyblog: Tragen diese Visionen auch dem globalen Wettbewerb um die besten Mitarbeiter und den neuen, dynamischen Arbeitskulturen und -technologien Rechnung?

AEbert: Natürlich. In einem hochdynamischen Unternehmen, wo die Mitarbeiter nicht nur mobil sind, sondern auch viel und eng mit Leuten aus anderen Unternehmen zusammenarbeiten, schaut die IT-Architektur ganz anders aus als in einem klassischen Unternehmen. Ein Beispiel: Es ist heute kein Problem mehr, unterschiedliche Rechner-Ressourcen in einer Wireless-Wolke ad hoc miteinander sicher kommunizieren zu lassen, nur sind wir davon meist konzeptionell noch weit entfernt, weil wir noch viel zu sehr im alten Kontroll-Paradigma denken. Dabei geht es im modernen Unternehmenskontext doch vor allem darum, sich zu überlegen, wie man das, was die Mitarbeiter brauchen, um kreativ zu sein, zur Verfügung stellen kann.

Fortsetzung am Donnerstag!

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Event: Lebens- und Arbeitswelten einer neuen Generation February 21, 2012

Posted by Wolfgang Tonninger in Business, Events, New World of Work, Wertschöpfung.
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Die Zukunft des Arbeitens kommt spätestens in Gestalt von jungen, Arbeit suchenden Menschen auf Unternehmen zu. Sie bringen neue Zugänge und neue Perspektiven und sind – zugegeben – mitunter auch gar nicht so leicht zufrieden zu stellen. Weil sie hoffentlich schon bald in anderen, neuen, großzügigen Ausbildungssystemen heranwachsen und nicht in den fabrikartig konzipierten Kontrollanstalten unserer Kindheit, die mehr dem Nachbeten huldigten als der Freisetzung von Ideen. Ein schwedisches Projekt zeigt, wie es gehen könnte. Und FastCompany wirft die Frage auf, warum das, was für die Förderung von Kreativität und Zusammenarbeit in Firmen recht ist, nicht auch für Schulen billig ist.

Am 20. März um 18:30 Uhr gibt es zur “GENERATION Y – was sie fördert und was sie fordert” eine Diskussionsrunde an der FH Krems.

IMC Fachhochschule Krems,  Am Campus Trakt G, Hörsaal E.06
Anmeldung bitte bis 15. März 2012 unter: events@fh-krems.ac.at

Mehr dazu im Blog von Michael Bartz.

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Szenarios mit freundlicher Genehmigung von Rosan Bosch (Design) und Kim Wendt (Fotos)

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Thalia mit Office 365 auf neuen Wegen February 16, 2012

Posted by Wolfgang Tonninger in Business, Dynamic_Systems, Interviews, Kosten, Microsoft, Referenz, User-Experience, Wertschöpfung.
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Die Entscheidung lag auf der Hand: Anstatt weitere Back-End-Investitionen in eine Serverinfrastruktur zu setzen, die nach heutigen Maßstäben nur unter größten Aufwänden adäquat abzusichern ist, wollte man sich verstärkt auf die Kernkompetenzen konzentrieren und IT so einzusetzen, dass sie möglichst direkt am Frontend der Mitarbeiter wirksam wird. Da kam die Public-Cloud mit Office 365 für die Thalia Buchhandel GmbH gerade recht.

Die Online-Textreferenz finden Sie hier! Und ein Video dazu gibt es ebenso …

Know-how auf Rädern February 13, 2012

Posted by Wolfgang Tonninger in Business, Events, Microsoft, New World of Work.
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IT wird immer leichter, mobiler und interaktiver. Mit dem OfficeNow! Caddy Workshop macht Microsoft nun voll funktionsfähige Schulungsumgebungen für das neue Arbeiten transportier- und direkt beim Kunden aufbaubar. Das Ganze gibts kostenlos für Teams, Gruppen, Abteilungen und natürlich auch für das Management in Unternehmen. Bei Bedarf auch für andere Themen wie CRM, BI oder Enterprise Search.

Wieviel Transparenz ist gesund? February 7, 2012

Posted by Wolfgang Tonninger in Business, New World of Work, User-Experience.
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“Transparenz” heißt das Zauberwort der Stunde. Aber wie viel von ihr vertragen wir? Soll wirklich alles gläsern sein – der Mensch, das Haus, das Office? In der neuen Welt des Arbeitens imagegibt es viel Glas an den Wänden (die damit keine richtigen Wände mehr sind), weil wir keine Abgrenzungen brauchen, sondern Durchgänge. Die wenigsten bedenken dabei, dass es ohne Abgrenzungen auch keine Durchgänge mehr gibt. “Das Kind mit dem Bade ausschütten” nennt man so etwas – wenn wir in unserem Transparenzwahn vergessen, dass es die anderen, dunklen, abgeschirmten Räume geben muss, um die Qualität der Durchsichtigkeit erfahrbar zu machen. Räume, in die man sich zurückziehen kann. Denn wer – außer der Facebook-Gemeinde – will schon alles und zu jeder Zeit teilen?

Es gibt Dinge, die passieren am Besten im Hintergrund. Wenn der nicht mehr da ist, ist alles vordergründig. Wollen wir das?

Ein Microsoft Mitarbeiter hat mir erzählt, dass in Meetings hinter Glas immer wieder zu sehen ist, wie Augenpaare nach außen schweifen, wenn jemand vorbeigeht. Das beruhigt mich. Es wäre doch eigenartig, wenn es anders wäre. Warum nicht die Angebote nutzen? Gläser sind keine Einwegscheiben. Sie laden ein, nicht nur hinein- sondern auch durch sie hinauszuschauen. Sollen wir nun so tun, als ob es diese Einladung zur Abschweifung nicht gäbe? Obwohl wir sie in den Augenwinkeln notieren. Wären wir dann soweit – für die neue Welt des Arbeitens? Oder ist es ok, dass wir neugierig sind? Was aber mit der Abschweifung? Und warum dann nicht gleich die Vorhänge zuziehen? Warum so tun, als ob es sie gäbe – die Vorhänge? Warum so tun, als ob es sie nicht gäbe – die Abschweifung?

Wir sollten diese Fragen ernst nehmen. Damit wir uns in Zukunft nicht – wie im Artikel The Downsides of Working in a Glass Office beschrieben – in das Auto im Parkhaus zurückziehen müssen, wenn wir mit unserem Kunden ein Vier-Augen-Gespräch führen wollen.

thx ourhero for foto

Microsoft und seine Astronauten February 2, 2012

Posted by Wolfgang Tonninger in Business, Business_Intelligence, Innovation, Interviews, Microsoft, Trends.
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Bill Hilf war Linux durch und durch. Als Senior Architect von IBM baute er zur Jahrtausendwende Linux- und Open Source-basierte Infrastrukturen für große Unternehmen und gegen alles, was nach Microsoft roch. Bis im Jahr 2004 ein Anruf kam, der Folgen hatte. Für ihn und mehr noch für Microsoft.

“Microsoft called up and said: ‘We don’t understand this open source stuff. And we need people who do,’” Hilf remembers. “I was like the first astronaut on the planet.”

Ein paar Jahre später, es war im Sommer 2008, saßen Bill Gates, Ray Ozzie und Sam Ramji, der Chefstratege in Sachen Open Source – der übrigens von Bill Hilf (Foto) an Bord geholt wurde – mit anderen Experten zusammen, um über die rechtliche Rahmenbedingungen nachzudenken, die eine Öffnung in Richtung Open Source ermöglichen sollten. Die Sitzung verlief sehr imagekontrovers – bis Bill Gates plötzlich aufstand, zum Whiteboard ging und ein Diagramm zeichnete, das zeigte wie die Sache funktionieren konnte – “from copyrights to code contribution to patents, and he said — in no uncertain terms — that the company had to make the move”, wie das Wired Magazin in dem empfehlenswerten Artikel “Meet Bill Gates, the Man Who Changed Open Source Software” sehr anschaulich beschreibt.

Sam Ramji erinnert diesen Moment als einen, der für die Neuausrichtung von Microsoft maßgeblichen Anteil hatte: “He (Bill Gates) was given little to no credit by the open source community — or anyone in the tech industry — for really understanding open source and why it can be important, how it can be a competitive advantage, and why when your competitors start to use it, you have to too. He really got it, and in that moment, he taught us all.”

Warum ich diese Geschichte erzähle?

Weil ich im O´Reilly Radar gerade über eine andere Headline gestolpert bin, die ohne diese Szene und Astronauten wie Bill Gates, Bill Hilf, Ray Ozzie und Sam Ramji erst möglich wurde: “Microsoft’s plan for Hadoop and big data” lesen wir da und ich gebe sie als Frage weiter an Georg Droschl, Datenbankspezialist bei Microsoft Österreich.

BusinessReadyBlog: Herr Droschl, was ist die Big Data Strategie von Microsoft?

GDroschl: Zuerst mal die Frage: Warum überhaupt Big Data? Und was ist das überhaupt? In den letzten drei Jahren haben wir gleichviel Daten neu erstellt, wie in der gesamten restlichen Menschheitsgeschichte. Und der Großteil der Daten, nämlich 70–80%,  liegt heute „unstrukturiert“ vor, was bedeutet, dass diese Daten nicht über klassische relationale Datenbanken zu managen sind. Das verstärkt den Druck auf Unternehmen und IT-Abteilungen, die ohnehin schon stark gefordert sind, weil sie mehr Produktivität mit weniger Budgets erzielen sollen.

BusinessReadyBlog: Warum steht dabei Apache Hadoop im Zentrum?

GDroschl: Fakt ist, es gibt ein “Open Source Large Distributed Computing Framework“ namens Hadoop, das für die Speicherung und Verarbeitung großer Datenmengen extrem gut geeignet ist. Microsoft steht hinter diesem Framework und integriert es in die Microsoft Applikationsplattform, konkret in SQL Server, für den es sein Mitte 2011 einen Connector gibt. Wichtig ist, dass die Nutzer hier möglichst flexibel sind und Daten, die Hadoop entnommen werden, über die Microsoft Business Intelligence Möglichkeiten in SQL Server ausgewertet werden können. Diese Möglichkeit gibt es direkt in Hadoop nicht. Andererseits gibt es auch die Möglichkeit, Daten in Hadoop zurück zu speichern, um sie dort weiter zu verarbeiten. Das volle Potenzial ergibt sich durch eine Integration mit der Datenbankinfrastruktur im Unternehmen.

BusinessReadyBlog: Was bedeutet das für Microsoft Kunden?

GDroschl: Dass sie das Beste aus beiden Welten – Big Data und relationale Welt – nutzen können. Wenn Hadoop auch auf Azure zur Verfügung steht, haben Kunden beinahe unbegrenzte Skalierungsmöglichkeiten. Heute wird Hadoop z.B. im Bereich Social Media von Unternehmen wie Facebook eingesetzt, wo täglich 15 Terabyte an Daten dazukommen. Aber auch kleinere Unternehmen wie die deutsche 1&1 setzen auf Hadoop und Big Data. Das sind die Speerspitzen, zweifellos, aber in den nächsten Jahren ist aufgrund des enormen Datenwachstums mit einem breiteren Einsatz zu rechnen.

Danke für das Gespräch.

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