jump to navigation

Handy vergessen! Eine Katastrophe? November 8, 2013

Posted by Wolfgang Tonninger in Business, Fun, New World of Work, User-Experience.
trackback

Mobilität heißt die neue Säulenheilige unserer kulturellen Verfasstheit, auch wenn jeder etwas anderes darunter versteht. Während die einen an permanente Erreichbarkeit denken, denken die anderen an permanente Bewegung – und beide liegen falsch. Denn Mobilität hat mit “Beweglichkeit” mehr zu tun als mit “Bewegungssucht”, und mit “Balance” mehr zu tun als mit “24h-Verfügbarkeit”.

michel serresMobil sein heißt heute, dass man die Dynamik der Bewegung verinnerlicht hat. Und weil das so ist, müssen wir uns im besten Fall weniger bewegen. Das heißt nicht, dass wir nur noch herumsitzen. Es heißt nur, dass wir die Wahl haben, ob wir uns bewegen oder nicht; und wie unser Öko-Fußabdruck aussieht. Diese Wahlfreiheit hätten wir auch in Bezug auf unser Handyverhalten, was die Meisten unter uns längst vergessen haben.

Wer die Wahl hat, hat die Qual.
Abheben oder Nicht-Abheben? – Eine Frage, die sich sauber nur beantworten lässt, wenn man sich den “Mode” bewusst macht, in dem man sich gerade aufhält. Denn es hängt sehr davon ab, ob man sich gerade im Konzentrations- oder im Multitasking-Mode befindet, ob die “Unterbrechung” als “Störung” oder als “Inspiration” empfunden wird. Es ist das alte Spiel zwischen dem Signal und dem Rauschen. Ein Spiel, das bewusst gespielt werden will. Wer davon ausgeht, dass immer das, was von außen kommt (das Telefonat/die E-Mail-Benachrichtigung/die Chat-Anfrage), wichtiger ist als das, was man gerade macht (das Gespräch, das man gerade führt/die Arbeit, die man gerade macht/den Text, den man gerade liest), gehört zu den Verlierern noch bevor das Spiel begonnen hat. Beweglichkeit heißt, dass ich mich nicht verrenken muss und bei Bedarf auch auf Beweguing verzichten kann. Die Anhäufung von Information ist per se keine Bereicherung. Wissen entsteht, wenn Informationen auf fruchtbaren Boden fallen.

Der französische Philosoph Michel Serres (Der Parasit / Die fünf Sinne) schreibt von einer Informationssucht, die arm macht, und von einem Wissen, das betäubt.

“Besagte intellektuelle Aktivität gleicht der Einnahme eines Narkotikums; wer es versäumt, die Information regelmäßig zu sich zu nehmen, verliert den Anschluss. Mit der neuesten Annonce sind alle vorangegangenen überholt, das ist das Gesetz der Droge, wonach nur der nächste Schuss zählt. Information und Droge machen nicht glücklich, wenn man sie hat, sie machen nur unglücklich, wenn man sie nicht hat.”

Ein Video zum Nachdenken. Schauen Sie sich das an!

Comments»

1. michaelbartz - November 8, 2013

Meine Frau und ich waren letzte Woche in Israel. Unsere beiden Handies streikten komplett keine Verbindung. Wir haben es nicht vermisst, weil ich bei der Gelegenheit festgestellt habe, dass die Kommunikationskanäle über mein Tablet viel wichtiger inzwischen sind als das gute alte Handy. Und ein WLAN findet sich überall. Sogar mitten in der Wüste war ich hervorragend über lokale WLANs connected. – Ich brauche das, weil ich vom Typus her den eMail und Kommunikationsstress nach dem Urlaub nicht haben möchte. So bleibe ich lieber etwas dran und starte dann entspannt wieder in die Urlaubswoche. Aber da ist jeder anders gestrickt. Da falle ich sicher voll in das Serres-Muster.

Wolfgang Tonninger - November 10, 2013

Es geht hier nicht darum, ob man sich das eine oder andere Mal verbindet und seine E-Mails abruft. Es geht darum, die Sensibilität nicht zu verlieren, die einem ermöglicht, zwischen dem Rauschen und dem Signal zu unterscheiden. Eine Fragestellung mit durchaus existenziellem Tiefgang. Der Parasit lauert überall, um mit Michel Serres zu sprechen.


Leave a Reply

Fill in your details below or click an icon to log in:

WordPress.com Logo

You are commenting using your WordPress.com account. Log Out / Change )

Twitter picture

You are commenting using your Twitter account. Log Out / Change )

Facebook photo

You are commenting using your Facebook account. Log Out / Change )

Google+ photo

You are commenting using your Google+ account. Log Out / Change )

Connecting to %s

%d bloggers like this: